Litauen – unser Start ins Baltikum

by Barbara

Die Einreise nach Litauen ist, wie bereits in Polen, völlig unspektakulär. Keine Menschenseele steht am Zoll und so startet unser Abenteuer im Baltikum. Wir besuchen folgende Orte: Vilnius, den geographischen Mittelpunkt von Europa, Wasserburg Trakai, Kaunas und den Hill of crosses.

Die ersten 10 Minuten waren die Strassen top und danach beginnt die Wellblechpiste schlechthin. Mit 10 km/h tuckern wir durch die litauische Landschaft. Kurz vor dem Einbiegen in eine Hauptstrasse werden die Strassenverhältnisse wieder gut. So schnell wird einem wieder mal das Privileg von asphaltierten Strassen bewusst.

Der erste Campingplatz in Litauen verspricht schon mal sehr viel und macht Lust auf mehr. Zum Glück ist der Platz direkt an einem herrlichen See gelegen und wir hüpfen sofort rein. Es erwartet uns eine heisse Woche von 30 Grad Celsius und mehr, während dessen zu Hause das nass-kühle Wetter die Oberhand hat.
Zwei Nächte verbringen wir an diesem Ort und haben interessante Gespräche mit anderen Reisenden und erhalten einige Tipps fürs Baltikum.

Vilnius

Da wir in der Nähe der weissrusischen Grenze sind, machen wir einen kurzen Abstecher dorthin. Der Grenzübergang ist geschlossen und die Tore sind fest verriegelt. Nicht das wir einreisen wollen aber wenn man mal schon so nah dran ist, wollen wir einen Blick über den Zaun werfen.

Vilnius erwartet uns mit Regen. Die kurze Regenschauer nutzen wir für eine kurze Verpflegung im Bus. Nun sind wir gestärkt und können die Stadt bei mehrheitlich trockenen Bedingungen besichtigen. Es gibt einige schöne Ecken aber so ganz überzeugen konnte uns Vilnius nicht. Eventuell liegt es auch noch an den sehr frischen Erinnerungen an die wunderschönen Städte Krakau und Breslau. Aber eben, Vergleiche beiseite schieben und sich auf Neues einlassen. Das macht das Reisen ja auch so interessant. Eine kalte rote Beete Suppe (Spezialität in Litauen) mussten wir auch noch probieren – sehr lecker.

Geographischer Mittelpunkt von Europa

30 km nördlich von Vilnius liegt der geographische Mittelpunkt von Europa. Da die Berechnungen von Europa jeweils unterschiedlich angestellt werden, gibt es diverse Mittelpunkte von Europa aber dieser hier in Litauen ist auf jeden Fall schön hergerichtet. Leider konnten wir die Schweizer und Norweger Fahne unter all den anderen gehissten Fahnen nicht entdecken. Diese wurden wohl eher politisch anstatt geographisch ausgewählt. Während der Sommermonaten könnte ein Zertifikat gekauft werden, welches bezeugt, dass man den Punkt besucht hat. Aber in der aktuellen Zeit ist alles etwas anders.

Wasserburg Trakai

Die Sonne weckt uns jeweils früh und ohne Schattenplatz heizt unser Aufstelldach sehr schnell ein. So waren wir schon vor der Öffnungszeit bei der malerischen Wasserburg Trakai und konnten die Insel fast für uns alleine geniessen. Auf einen Besuch der Burg haben wir verzichtet und genossen den Spaziergang um Trakai herum. Ansonsten muss es dort wohl ziemlich touristisch sein wenn man die vielen Verkaufsstände und Pedalos am gegenüberliegenden Ufer zählt.

Kaunas

In Kaunas haben wir per Zufall die Feierlichkeiten für den 611. Jahrestag der litauischen Armee beobachten können und mit einem Armeeangehörigen der NATO gesprochen. Durch das Gespräch haben wir einiges an Informationen bekommen. Am Mittag haben wir die typisch litauischen Spezialitäten gekostet. Die zeppelinförmigen Kartoffelklösse (Cepelinai) mit verschiedenen Füllungen und das Getränk Kvass. Dieses wird aus vergorenem Brot hergestellt und wird in verschiedenen Variationen angeboten. Auf jeden Fall ein sehr schmackhaftes und erfrischendes Getränk, welches an Mallzbier erinnert.
Da auch dieser Tag wieder über 30° Celsius aufwies und die ansonsten schöne Fussgängerzone eine einzige Baustelle war, haben wir den Besuch der Stadt relativ kurz gehalten.

Hill of crosses

Ein weiteres Highlight in Litauen ist der Hill of crosses (Kreuzberg). Gemäss einer Sage erschien einem Mann, dessen Tochter sehr krank war, eine Engelsgestalt und hat ihm gesagt, wenn er ein Kreuz auf diesem Hügel (Berg ist mit 10 Meter Höhe doch etwas übertrieben …) aufstellt, wird seine Tochter wieder gesund. Gesagt, getan und die Tochter wurde tatsächlich wieder gesund. Seither haben es ihm unzählige gleich getan und mittlerweile stehen ca. 100‘000 Kreuze aus der ganzen Welt auf und um den Hügel. Auch im 19. und 20. Jahrhundert hat der Hügel eine bewegte Geschichte hinter sich. Wer mehr dazu erfahren möchte findet die Infos hier.
Heute ist es ein christlicher Wallfahrtsort. Der Hill of crosses ist sehr eindrücklich und definitiv einen Besuch wert.

Fort IX

Ein weiters Mal kommen wir mit der Geschichte des Landes eindrücklich in Berührung. Das Fort IX hat eine tragische Vergangenheit erlebt. Auch an diesem Ort wurden Tausende Menschen, hauptsächlich Juden, hingerichtet. Das Mahnmal erinnert an dieses dunkle Kapitel. Die gesamte Geschichte der Anlage findest du unter diesem Link.

Abschied von Litauen

Die letzte Nacht in Litauen verbringen wir bei einem Agriturismo mit vielen, auch freilaufenden, Tieren. Bis wir alle Hunde, Schafe, Hühner, Kaninchen, Wachteln, Gänse, Enten, Truthahn, Pferd, Pony, Schildkröte, Chinchilla, Ratte uvm. begrüsst und gestreichelt hatten, verging doch einige Zeit. Am Abend hat uns der Besitzer noch Käse von den eigenen Schafen offeriert und war auch sonst sehr hilfsbereit. Der Käse passte wunderbar zu unseren Schaschlik Spiessen auf dem Grill. So konnten wir die litauische Gastfreundschaft nochmals geniessen. Wir verlassen Litauen mit vielen schönen Erinnerungen und sind positiv überrascht von diesem Land. Mal schauen was uns in Lettland erwartet.

1 comment

Ursula Handschin-Stocker 2. August 2021 - 20:29

Sehr anschaulich und eindrücklich! Morgen nehmen wir uns mehr Zeit dafür, statt jetzt vor dem Schlafen! Gruss von Daheim!

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